1. Februar 2018

INTERFORST Thema

Forst 4.0 – Digitalisierung im Wald

  • Innovative Technik für Fortschritt und Prävention
  • Netzwerke, Datentransfer und Kooperationen
  • INTERFORST- Kongress: Digitalisierung als Schwerpunktthema


Auch in der Wald- und Forstwirtschaft schreitet die Digitalisierung voran. Auf der INTERFORST, die vom 18. bis 22. Juli 2018 auf dem Messegelände in München stattfindet, wird sich das Thema sowohl im begleitenden wissenschaftlichen Kongress, in den Sonderschauen sowie an den Ständen der Aussteller niederschlagen. Das fünftägige Branchenhighlight versammelt alle relevanten Gruppen der Forstwirtschaft und Forsttechnik, hier tauschen sich Wissenschaft, Politik und Praxis aus.

Holzmengen, Datenmengen, Datenbanken
Nicht nur in der Industrie, auch in der Forstwirtschaft nimmt das Thema Digitalisierung immer mehr Raum ein. Wälder nachhaltig nach modernen waldbaulichen Grundsätzen zu pflegen und zu bewirtschaften, ist eine große Herausforderung, die trotz moderner Technik nicht einfacher sondern immer komplexer wird. Die Datenmengen, die im Wald aufgenommen werden, sind heute immens – beispielsweise Inventurdaten wie geografische, geologische, waldbauliche, naturschutzfachliche oder wildbiologische Daten. Dazu kommen betriebliche Daten, Machbarkeitsstudien, Risikoanalysen, Unfallstatistiken, Waldschadenserhebungen, Monitoring, Holzaufnahme und -verkauf und vieles mehr. Die umfangreichen Auswertungen dieser Daten tragen dazu bei, den Wald noch besser zu schützen und zu managen.

Bei den forstwirtschaftlichen Entscheidungsprozessen müssen viele verschiedene Komponenten einbezogen werden, und ebenso wie in der Industrie sollen die Prozesse gleichzeitig beständig optimiert werden. Die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien wird in diesem Zusammenhang für die Entscheider immer wichtiger, ob es sich um private oder öffentliche Waldbesitzstrukturen handelt. Für die Bewältigung und Analyse dieser Datenmengen sind große Datenbanken erforderlich. Gleichzeitig wird auch im Wald der Umgang mit mobilen Netzwerken, das „mobile Büro“ immer selbstverständlicher, auch wenn die Netzabdeckung der ländlichen Räume noch nicht flächendeckend vollzogen ist.

„Digitalisierung im Forstlichen Zusammenschluss bietet ein großes Zeiteinsparungspotential“, sagt Dipl. Forstwirt Gerhard Penninger, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen w.V. „Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien bedeuten eine Kapazitätserweiterung für das vorhandene Personal, sofern die Digitalisierung auch genutzt wird. Wichtig und nicht immer einfach ist es, die Bereitschaft der potenziellen Anwender zu wecken, die notwendige Datenbasis zu schaffen und zu pflegen. Wenn das gelingt, wird dieses Werkzeug auch gerne und erfolgreich eingesetzt“, so der WBV-Geschäftsführer. Gerhard Penninger wird in seinem Vortrag auf dem INTERFORST-Kongress digitale Lösungen für Waldbesitzervereinigungen vorstellen.

Mobile Dateneingabe und Einsatz von Drohnen
Der Sprung vom Handzettel zum mobilen Dateneingabegerät ist noch nicht so lange her, doch die Zeiten manueller Holzaufnahmen neigen sich dem Ende zu. Heute werden Harvesterdaten direkt mit der Holzbuchführung verknüpft und der nächste Sprung, die kostengünstige Poltervermessung mittels fotooptischer Verfahren ist ebenso langsam dem Versuchsstadium entwachsen und gewinnt zunehmend an Akzeptanz. Für die forstliche Fernerkundung und aufwendige Planungsprozesse sowie zur Dokumentation beispielsweise von Hiebsmaßnahmen werden bereits erfolgreich Drohnen eingesetzt, woraus vielfältige technische Anwendungen resultieren.

Obwohl der Einsatz von Drohnen in der Forstwirtschaft noch in einem frühen Stadium ist, hat die Technologie in naher Zukunft definitiv ein großes Potenzial, ist sich Martin Herkommer sicher. „Drohnen vereinfachen die Waldbewirtschaftungsplanung und ermöglichen quasi eine Forstinventur aus der Luft. Darüber hinaus können Maßnahmen und Aktionen ebenso dokumentiert werden wie Sturmwurf oder Flurschäden durch Fahrzeuge. Ein weiterer Einsatzschwerpunkt ist das Erkennen und Dokumentieren von Schädlingen und Krankheiten. Mithilfe der Drohnentechnologie lassen sich Ausbrüche in einem frühen Stadium erkennen, so dass sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Mit diesem Wissen können die Grundeigentümer auch vorbeugende Maßnahmen ergreifen“, erklärt der Verkaufsleiter beim Entwickler Quantum-Systems. Was Drohnen in der Forstwirtschaft leisten können, wird Martin Herkommen am zweiten Messetag auf dem INTERFORST-Kongress erläutern.

Früherkennungssysteme zur Waldbrandvorsorge
Auch in anderen Bereichen hat innovative Technik Einzug gehalten. Die Gefahr von großflächigen Feuern ist im Zuge des Klimawandels noch größer geworden. Statt Forstmitarbeiter und Freiwillige, die Dienst auf Wachtürmen schieben, übernehmen heute sensorgestützte und automatisierte Früherkennungssysteme die Waldbrandvorsorge rund um die Uhr. Nach dem Brand ist der Einsatz von Drohnen zusätzlich eine sehr effiziente Möglichkeit Hotspots zu finden, die das Wiederaufflammen des Waldbrandes verursachen könnten, betont Herkommer.

Über Apps können sich heute Waldbesucher und Rettungskräfte im Gelände orientieren und Notfallpunkte aufsuchen, denn bekanntlich ist der Wald nicht nur Arbeitsplatz sondern wird in vielfältiger Weise für Erholung, Sport und Tourismus beansprucht.

Chancen und Risiken
Gleichwohl bringt die zunehmende technologische Entwicklung im grünen Wald auch neue Probleme mit sich. Wie steht es um die Genauigkeit der gemessenen Daten und wer legt die Art und den Umfang der Auswertung fest? Hier geht es um Fragen der Rechtssicherheit von Vermessungsergebnissen, beispielsweise wenn diese als Grundlage für Abrechnungen dienen. Wer bekommt im Betrieb den Zugang oder die Nutzungsrechte für sensible Daten, wie steht es um Urheberrechte z.B. bei Bildmaterial? Immer wichtiger wird in diesem Zusammenhang die Aufgabe, die entsprechende Qualifikation der Mitarbeiter sicherzustellen und entsprechende Weiterqualifizierungen anzubieten. Doch nicht jeder in der grünen Branche fühlt sich auch zum IT-Experten berufen - was zur Frage führt, ob es zukünftig mehr externe Experten in der Forst braucht.

Branchenübergreifende Kooperationen
In vielen Bereichen der Hochtechnologie arbeiten forstliche Institute und Organisationen bereits erfolgreich mit entsprechenden Firmen zusammen. Neue Technologien, beispielsweise bei der Rückverfolgung eines Rohstoffes oder Produktes, leisten wertvolle Dienste im Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität (Stichworte illegaler Holzeinschlag, Holzdiebstahl). Ein Beispiel ist die Entwicklung einer Art digitalen Fingerabdruck eines Baumstammes (Tree Re-Identification).

Neue Anwendungen helfen, insbesondere die Logistikkette weiter zu verbessern. Die Betriebe der Holzver- und bearbeitung erwarten eine ganzjährige Versorgung mit Holz. Die Vernetzung des Forstbetriebes über den Unternehmer bis zum Spediteur und schließlich dem Sägewerk erfordert die Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen und -systeme. In diesem sensiblen System wird es neben der rein technischen Umsetzbarkeit auch auf genügend vertrauensbildende Maßnahmen und zwischenmenschliche Kommunikation zwischen allen Partnern ankommen.

Das Thema „Industrie 4.0 in der Logistik“ wird Martin Müller von den Bayerischen Staatsforsten im Rahmen der INTERFORST in einem Kongress-Vortrag vertiefen. Die größte Chance einer Forst- und Holzwirtschaft 4.0 sieht der Leiter der Abteilung Logistik, Technik & Technische Produktion in einer höheren Effizienz durch schnellere und exaktere Daten. „Jede wirtschaftlich denkende Organisationseinheit feilt an der Verbesserung von Arbeitsabläufen, an der Standardisierung von Prozessen, an der Aufbereitung von Daten für bessere Entscheidungen und damit an der Sicherung der Zukunftsfähigkeit für sich selbst. Bei der Digitalisierung in unserer Branche geht es vor allem um eine bessere Vernetzung untereinander. Die Digitalisierung wird uns helfen, Mensch, Wald und Maschine besser als je zuvor zu vernetzen!“