13. Juli 2017

INTERFORST Grüne Couch auf Reisen

Ökologisch: Spektakuläre neue Kirche aus Holz – Architekt Eberhard Wimmer im Interview

  • Kirchenneubau St. Josef in Holzkirchen steht vor Vollendung
  • Video-Interview vor Ort mit Architekt Eberhard Wimmer
  • Trend Holzbau: Konstruktion und Material machen den Bau ökologisch


Schwungvoll, licht und ökologisch: In Holzkirchen bei München entsteht eine spektakuläre Kirche aus Holz. INTERFORST sprach mit deren Architekten Eberhard Wimmer. Was macht den Rohstoff Holz für ihn so interessant? Klar ist: Der Einsatz von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft ist rundherum klimafreundlich – und der Holzbau liegt im Trend. Das Gespräch fand vor Ort auf der Grünen Couch statt, die ansonsten mitten im Messegeschehen Platz bietet für Diskussionen zu Trendthemen.

Herr Wimmer, Sie sind der Architekt der Kirche St. Josef in Holzkirchen, die im Winter vollendet wird. Was ist das Besondere an diesem Bau?
Kirchen sind sinnstiftende Räume. Der kreative Spielraum ist groß, weil jede Zeit und jede religiöse Richtung bei aller Wiedererkennbarkeit ihre eigenen, zeitgemäßen Sakralbauten hervorbringen möchte. Hier ist es die Kegelform, die sichtbare Fachwerkkonstruktion, die Einheit von Wand und Dach.

Die Kegelkonstruktion eröffnet spektakuläre Perspektiven. Was ist die kreative Idee dahinter?
Aus den liturgischen Funktionen, der im Kreis um den Altar versammelten Gemeinde und dem von oben einfallenden Licht ergibt sich eine kegelförmige Hülle wie von selbst. In Analogie zum Zelt ist der Kegel eine archetypische, dabei moderne und unverbrauchte Architekturform.

Die Kirche besteht aus Holz – warum?
Beton und Stahl waren hier aus mehreren Gründen ungeeignet. Mit einer Holzkonstruktion ließ sich die stützenfreie, kegelförmige Raumhülle über einer Grundfläche von etwa 850 Quadratmetern kostengünstiger realisieren. Dazu kam die aussagekräftige Materialität, die unmittelbare Akzeptanz und das Gefühl von Geborgenheit, die sich in Holzkonstruktionen einstellen. Holzkonstruktionen mit Dreiecksgefachen sind zudem in Bayern verbreitet. Reusen und Körbe werden seit Jahrhunderten so geflochten und begeistern durch vielgestaltige Formen und feines Flechtwerk mit stabilisierenden Ringen und Diagonalen.

Was macht den Bau ökologisch?
Wir haben regionales Holz verwendet, vor allem Brettschnittholz aus Fichte aus zentraleuropäischen Wäldern, sowie Buche bei den Fachwerkknoten und Lärchenschindeln für die Kegeldächer. Die Kirche ist ein Niedrigenergiegebäude mit passiver Energienutzung. Wir unterschreiten die Werte der Energieeinsparverordnung um bis zu 28 Prozent.

In den Kegeln nutzen wir eine natürliche Aufwinddynamik für die Lüftung, die Fußbodenheizung speist sich aus Geothermie, die Bodenplatte dient als thermische Speichermasse. Sparsame LED-Leuchten, begrünte Flachdachbereiche und Rigolenanlagen für die Versickerung des Regens sind weitere Maßnahmen. Zudem haben wir grundsätzlich einfache technische Lösungen gesucht, um die Langlebigkeit zu gewährleisten.

Bevorzugen Sie bestimmte Holzarten – und warum?
Im konstruktiven Holzbau wird vor allem das schneller wachsende Nadelholz verwendet. Für die Schindeln haben wir Lärche verwendet. Stellenweise ist Eichenholz im Einsatz, aus gestalterischen Gründen oder wegen Brandschutz.

Welche Bedeutung messen Sie dem Rohstoff Holz generell zu?
Das ist leicht zu beantworten. Kennen Sie einen Rohstoff, der nachwächst und eine ähnliche ökologische Gesamtbilanz aufweist und so vielfältig als Werkstoff einsetzbar ist wie Holz?


Die Grüne Couch ist eine Kooperation der INTERFORST mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie dem Bayerischen Waldbesitzerverband e.V.

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